Rückblicke auf die Gemeindebegegnung mit unserer Partnergemeinde Mainz-Kostheim (8.-10.9.2006)
Das diesjährige Gemeindewochenende sollte erstmalig nicht auswärts sondern in unseren neuen Gemeinderäumen stattfinden. Neu war auch, dass es gemeinsame Tage mit der bisher von den Wiesbadenern gepflegten Partnerschaftsgemeinde Grünhain aus dem Erzgebirge werden sollten. Pastor Lutz Brückner und sein Gemeindevertreter besuchten unsere Gemeinde zwecks Überbringung der Einweihungswünsche und Vorbereitung des gemeinsamen Wochenende bereits Mitte Juli. Schon da konnte ich spüren, dass langjährige und tiefe Kontakte zwischen den beiden Gemeinden bestanden. Das echte und lebhafte Interesse, dass die beiden uns entgegenbrachten, machte mich gespannt und neugierig auf das Wochenende. Als ehemalige Mainzerin hatte ich natürlich auch ein paar Bedenken, wie wir uns als Mainzer in die bereits vorhandenen Beziehungen einfinden würden. Aber diese Befürchtungen waren schnell zerstreut: Nachdem die langerwarteten Gäste am Freitag Abend gegen 20 Uhr endlich eingetroffen waren, aufs herzlichste Willkommen geheißen wurden und sich an einem leckeren und vielfältigen Brötchenbuffet stärken konnten, erfüllte danach fast himmlischer Gesang mit dem passenden Kanon ‚Lasst uns miteinander singen, beten, loben den Herrn’ unseren Kirchensaal. Der wurde dann nur noch getopt durch das muntere Stimmengewirr bei der Kennenlernrunde. Anschließend stellten uns Pastor Brückner und Gemeindevertreter, Andreas Friedrich, mit einem originellen Sketch ihre Gemeinden auf unterhaltsame Art und Weise vor. Nach der Abendandacht verteilten sich die Gäste auf ihre Quartiere bei den einzelnen Gemeindegliedern.
Am Samstag Morgen führte uns Pastor Weber mit einem Referat in das Freizeitoberthema ‚Familie Gottes’ ein: Er stellte klar, dass es in der Familie Gottes wie in jeder normalen Familie ist, d.h. die Familienglieder können sich nicht gegenseitig aussuchen. Familie Gottes sind wir, weil wir uns für Jesus entschieden haben und Gott uns zusammengeführt hat. Auch das Verhalten in der Familie Gottes ist geprägt von Fürsorge, Anteilnahme, Ermahnung, Gebet, Ermutigung wie in jeder anderen Familie. Damit Familie, gleich welcher Art, funktioniert, ist jedes einzelne Familienglied aufgefordert aktiv zu deren Gelingen beizutragen. Erst dann können wir als Familie Gottes seine Nähe und Segen erfahren. Zum Abschluss seiner Ausführungen wünschte uns Markus Weber ein fröhliches und gesegnetes Familientreffen.
In den anschließenden Arbeitsgruppen wurde das Gehörte auf vielerlei Weise umgesetzt und diente als Bausteine für den Sonntagsgottesdienst. Auch für Kinder und Jugendlich wurde separates, jedoch auch themennahes Programm angeboten.
Am Samstag Nachmittag vergnügte sich unsere Familie Gottes wie jede Familie auf unterschiedliche Art. So konnte z.B. eine große Anzahl von interessierten Leuten auf einem Stadtrundgang etwas über die Geschichte und Lebensart der Mainzer erfahren. Andere erfreuten sich des herrlichen Wetters und schöner Landschaft bei einem Spaziergang entlang des Rheins. Auch die Jugend konnte bei einer Stadtrallye durch Mainz ihr Wissen testen. Das abendliche Grillen genossen wir besonders, konnten wir doch zum erstenmal bei Abendsonne auf dem inzwischen grünen Rasen in unserem Gemeindegarten sitzen. Überhaupt wurde der Garten von den zahlreichen Kindern gerne zum Toben und Ballspielen genutzt. Bei dem anschließenden bunten Abend verbrachten wir lustige, unterhaltsame und besinnliche Stunden miteinander.
Der Gottesdienst am Sonntag wird uns allen wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Zuerst trug schon einmal die Aufstellung der Stühle in zwei Halbkreisen für eine offene Atmosphäre bei. Ferner wurde der Gottesdienst durch viele verschiedene Beiträge lebendig und bunt, so z.B. durch ein schwungvolles Anspiel, mehrere Lieder des spontanen gemeinsamen Chores, Berichte und Zeugnisse einzelner und einer Liebesfeier/Agapemahl. Auch das gesungene Lob Gottes im Kirchensaal wurde zu einem besonderen Erlebnis.
Abschließend kann ich nur sagen, dass es ein gelungenes Wochenende war, das ich trotz mancher Arbeit nicht missen möchte und freue mich bereits jetzt auf einen Gegenbesuch.
Cornelia Dienlin (Mainz-Kostheim)
„Geht mit Gottes Segen – aber geht!“ - so die letzten Worte des Pastors Markus Weber bei unserer Verabschiedung am Sonntag. Ein Rausschmiss? Haben wir uns als Grünhain-Beierfelder so schlecht benommen? Das wohl nicht, aber die Mainz-Wiesbadener haben uns rundum so gut versorgt, dass ihnen etwas Erschöpfung am Ende wohl auch erlaubt werden darf. Außerdem kann man in einer Familie auch ehrlich sagen, wie es einem geht, oder? Dass wir trotzdem sehr gut aufgenommen wurden zeigt nun der folgende Bericht:
Wir kamen als Grünhain-Beierfelder Gruppe mit 24 Personen am Freitagabend nach und nach in Mainz-Kostheim an der neu gebauten Friedenskirche an. Da die meisten sich erst durch den Stau auf der A3 kämpfen mussten, war die Warterei etwas länger als gedacht, aber kurz nach 20 Uhr hatten es alle geschafft. Eine große Menge einheimischer Gemeindeglieder wartete schon auf uns und 240 belegte Brötchen sollten verdrückt werden. Das haben wir nicht ganz geschafft, aber wir waren sehr dankbar für den freundlichen Empfang.
Nach diesem Mahl im geräumigen Vorraum gingen dann alle in den angrenzenden Kirchsaal zur Begrüßungsrunde. Ja, wir saßen wirklich in einer Runde, weil die neu gebaute Kirche tatsächlich rund ist. Anja Fritz schaffte es mit einigen Sitzwechseln, dass alle bereits mit verschiedenen Leuten kurz ins Gespräch kamen. Anschließend stellten Lutz und Andreas in Sketch und Bildern den Gemeindebezirk Grünhain vor. Dies dauerte etwas länger, so dass die Abendandacht von Sieghard Dienlin dann schon nach 22 Uhr sein musste und wir gegen 23 Uhr erst in die Quartiere fahren konnten. Dort war für die meisten auch noch nicht Schluss, da gab es viel Gesprächstoff bis in die Nacht hinein.
Trotzdem kamen am nächsten Tag alle pünktlich zur Morgenandacht wieder an der Kirche an. Hans Ade (früherer Laienvertreter Mainz) hielt sie uns und danach stiegen wir inhaltlich so richtig ins Thema ein: „Familie Gottes“ – oder welche Beziehung besteht eigentlich zwischen Glaubensgeschwistern?
Pastor Markus Weber belegte uns sehr deutlich, dass wir eigentlich zu einem Familientreffen im biblischen Sinn gekommen sind. Also waren wir nicht bei Fremden, sondern bei Schwestern und Brüdern zu Gast. So haben wir uns auch gefühlt, es gab kaum Berührungsängste und alle fühlten sich wie zu Hause. Wir durften mit allen auch gleich per „Du“ sein, das fiel uns Erzgebirgern nicht schwer, manche Städter aus Mainz-Wiesbaden mussten sich wohl erst dran gewöhnen! Danke, dass es trotzdem möglich war! In verschiedenen Gruppen haben wir dann über das Gehörte nachgedacht und gleich den Gottesdienst für den Sonntag vorbereitet. Praktische Arbeitsteilung in einer Familie ganz konkret!
Nach der leckeren Gulaschsuppe und den restlichen Brötchen konnten wir bissel ausruhen oder reden oder Fußball spielen oder Kaffee trinken und Kuchen essen. Nachmittags bei herrlichem Sonnenschein waren verschiedene Angebote vorbereitet:
In der Kirche blieben bei Spiel und Spaß die Jüngsten, für Kinder ab 10 gab es ein Geländespiel durch die Stadt, einige Männer (mit nur einer Frau) wanderten am Rhein entlang und viele Interessierte kamen mit zu einer Stadtführung durch Mainz, die viel Einblick in die Geschichte gab. Besonders sehenswert waren der riesige Mainzer Dom und die Stephanskirche, in denen sogar gerade Trauungen stattfanden. Eine Feuerwehrkapelle spielte auch.
Bis auf die kleinsten Kinder kamen wohl alle ziemlich geschafft gegen Abend wieder zurück. Aber es wartete ja ein leckeres Grillfest mit vielen verschiedenen Salaten auf uns. So war die Müdigkeit schnell überwunden und in froher Gemeinschaft begann der „Bunte Abend“, durch den uns Regina Braunschuh (neue Laienvertreterin) führte. Die fröhlichen Lieder aus dem neuen Jugendliederbuch „himmelweit“ versuchten wir gemeinsam zu singen, aber auch beim „Ponypferd“ sangen und bewegten sich alle mit, ebenso taten wir das beim Rap mit Carina: „Oben, oben, unten, unten, vorne, vorne, hinten, hinten, rund herum, Gott ist hier um mich herum. Nie mehr allein, wir sind nie mehr allein!“ Wir haben das toll gespürt! In Spiel und Quiz wurden heutige und biblische Familien zusammensortiert, lernten wir unsere Pastoren und manche Gemeindeglieder von ihrer lustigen Seite kennen. Wir hörten auch besinnliche Töne über die „gute alte Zeit“ und einige Blumen-Gebete. Wir dankten Gott beim gemeinsamen Abendgebet für den wunderschönen erfüllten Tag. Es war wieder ziemlich spät und Simon schlief schon längst im Arm von Ines, aber die „Einheimischen“ hatten noch viel zu räumen, damit die Kirche für den Sonntag gut vorbereitet ist.
Glücklicherweise war erst 10.30 Uhr Gottesdienst, so konnten alle doch noch etwas schlafen und sich auf den neuen Tag vorbereiten. Der Familiengottesdienst stand auch unter der großen Überschrift „Familie Gottes“ und wurde gemeinsam gestaltet. Die Kreativgruppe hatte für schönen vielseitigen Schmuck gesorgt, die Anspielgruppe verdeutlichte sehr drastisch das Thema: „Füreinander da Sein“. Lieder und Gebete waren in den Kleingruppen ausgesucht und vorbereitet worden, der große Gesamtchor sang passende Lieder und Lutz und Markus machten uns im Predigtgespräch deutlich, welche Eigenschaften eine Familie Gottes haben darf. Folgendes waren die wichtigsten Punkte: Offenheit und Geduld üben, Gaben und Aufgaben einbringen, sich gegenseitig dienen, gemeinsam Gott erfahren, in Gemeinschaft leben, Andere einladen, Veränderungen zulassen. Als besonderen Höhepunkt feierten wir ein Agapemahl (methodistisches Liebesfest) miteinander. Wir hörten Zeugnisse von jüngeren und älteren Gemeindegliedern über das Erleben von Familie Gottes in der Vergangenheit und Gegenwart. Spontan sangen wir am Schluss „unseren“ Wochenend-Kanon: „Lasst uns miteinander singen, beten, loben den Herrn“ und brachten dabei das Lob unserem Gott gegenüber intensiv zum Ausdruck. Die große Gemeinschaft versammelte sich gleich anschließend wieder im Vorraum zum Mittagessen und bei anschließendem Kaffee und Kuchen. Wieder sehr reichlich war die Auswahl und ich zumindest konnte gar nicht alles kosten - dabei waren wir doch in Kostheim. Allmählich kam schon Abschiedsstimmung auf. In der Kirche trafen wir uns diesmal pünktlich 14 Uhr zum Abschlusssegen. Mit Freude, Dankbarkeit und etwas Wehmut stellten wir uns unter den Segen Gottes. Auch große Familientreffen gehen einmal zu Ende! Aber die Einladung zum Gegenbesuch hat Lutz noch bekräftigt und herzlich für das Wochenende gedankt. So konnten wir als Gäste sehr beschenkt und erfüllt in die Autos steigen und die Heimfahrt antreten. Die Gastgeber mussten zurückbleiben und hatten noch allerlei aufzuräumen, deshalb waren sie wohl auch bissel froh über den Abschied. Ehrlich Markus, wir verstehen das. Ihr dürft euch aber revanchieren! Wir sind dankbar für dieses Wochenende und freuen uns schon jetzt auf das Wiedersehen als Familie Gottes in Grünhain-Beierfeld.
Claudia Schulz (Grünhain-Beierfeld)
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