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Kirchliches Wort

Das Kirchliche Wort 07.01.2005

Das Kirchliche Wort – Freie Presse am 07.01.2005

Warum?

Aus paradiesischen Traumstränden wurde von einem Augenblick auf den anderen die Hölle. Wenn ich die schrecklichen Bilder aus den Flutgebieten Südasiens sehe, dann krampft sich in mir alles zusammen und ich weiß nicht, was ich sagen soll. In mir kommt eine Frage hoch: Warum? Eine Frage, die ich kaum aushalten kann. Klar könnte ich es mir leicht machen und mich damit beruhigen, dass es nun einmal so ist in dieser Welt und dass ein Seebeben eben einen Tsunami nach sich zieht mit all seinen Zerstörungen. Aber so gefühllos kann ich doch nur reden, weil es mich oder mir nahestehende Menschen nicht betrifft … Warum also? Die Frage will mir nicht aus dem Kopf. Warum lässt Gott das zu? Doch ich finde darauf keine Antwort. Sicher weiß ich, dass Gott sich meinem Verstehen und Begreifen entzieht, ER mir keine Rechenschaft schuldig ist und seine Wege für mich als Mensch ohnehin unergründlich sind. Doch das beantwortet meine Frage nicht wirklich. Ich werde wohl damit leben müssen, nicht auf alles eine Antwort zu bekommen. Aber ich darf mit der Gewissheit leben, dass Gott den Menschen gerade in ihrer größten Not beisteht. Und dabei spiele auch ich keine geringe Rolle, denn zum einen kann ich beten für die betroffenen Menschen, für die Verzweifelten und Trauernden und für die aufopferungsvollen Helferinnen und Helfer aus aller Welt. Und zum anderen kann ich etwas konkretes tun: ich kann tätige Hilfe leisten, indem ich selbst mit anpacke oder durch meine Spende (die Sie sicherlich auch schon gegeben haben). So können Menschen auch durch mich Gottes Hilfe erfahren. Die Frage nach dem „Warum“ muss ich wohl unbeantwortet stehen lassen, obwohl sie weiter in mir bohrt. Doch in mir bohrt auch noch eine andere Frage: Wieso frage ich eigentlich, wenn etwas Schlimmes geschehen ist, mit einem vorwurfsvollen Blick auf Gott, nach dem „Warum“? Wieso frage ich nicht, wenn es mir gut geht, mit einem dankbaren Blick auf Gott, „Warum“? Die Bilder der Katastrophe haben mir gezeigt, dass ich nirgendwo auf dieser Welt sicher bin, dass mein Leben hier auf dieser Welt nur vorläufig ist und dass ich viel zu schnell vergesse, dankbar zu sein, wenn es mir gut geht. Denn daran habe ich mich gewöhnt. Warum eigentlich?

Pastor Lutz Brückner, Evangelisch-methodistische Kirche Grünhain


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