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Kirchliches Wort

Das Kirchliche Wort 17.06.2006

Das Kirchliche Wort - Freie Presse am 17.06.2006

Ich bin unterwegs.

Vor wenigen Wochen war ich mit einigen meiner Kollegen auf einer Tagung in Nordirland. Wir haben dort eine sehr intensive Zeit erlebt und viel erfahren, gehört, gesehen. Es ist ein faszinierendes Land, in dem die Leute ein ganzes Stück langsamer leben als wir. Hektik, Stress habe ich dort nicht erlebt, obwohl wir keineswegs faul waren. Irgendwie strahlt das Leben dort eine große Gelassenheit aus, um die ich die Leute beneide.Am beeindruckendsten war für mich aber die Art, wie die Menschen dort ihren Glauben leben.
Hier erlebe ich es oft, dass wir uns selbst unter Druck setzen, dass wir uns auch im Glauben diesen Stress machen, der uns in unserem Alltag nervt: Bei unseren Glaubensbemühungen muss möglichst etwas Abrechenbares herauskommen. Es muss sich irgendwie auszahlen, dass ich glaube. Es muss auf jede Frage eine Antwort, auf jede Unklarheit eine stimmige Erklärung geben usw. Es fällt uns schwer, mit offenen Fragen zu leben und nicht auf alles eine Antwort zu haben.
In Irland habe ich etwas ganz anderes erlebt. Der Glaube, den ich dort kennen gelernt habe, lässt sich mit drei Worten beschreiben: „Ich bin unterwegs!“. Das heißt, auch hier ist eine große Gelassenheit spürbar, nichts von Druck oder Stress. Konkret bedeutet das: Auch wenn ich jetzt nicht weiß, warum Dinge so geschehen sind, so weiß ich, Gott ist dennoch da. Auch wenn ich mit unbeantworteten Fragen leben muss, so beschäftige ich mich damit und Gott wird mir in dieser Beschäftigung begegnen. Und die Frage, ob es sich lohnt zu glauben, stellt sich da gar nicht, weil die Menschen wissen, selbst in den kleinsten Alltäglichkeiten bin ich von Gott abhängig und in seiner Hand.
Eigentlich möchte ich auch so leben und glauben können – nicht mehr hetzen und unter Druck stehen, sondern „unterwegs“ sein und auf meinem Wege Gott begegnen und mich beschenken lassen.
„Möge Gott auf dem Weg, den Du vor Dir hast, vor Dir hergehen. Das ist mein Wunsch für Deine Lebensreise. Mögest Du die hellen Fußstapfen des Glücks finden und ihnen auf dem ganzen Weg folgen.“ (Irischer Reisesegen)

Pastor Lutz Brückner, Evangelisch-methodistische Kirche Grünhain


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