Artikel für „Das kirchliche Wort“ am 03.01.2002 in der Freien Presse
A nei Gahr! Kennen Sie diesen Gruß: „A nei Gahr!“? Viele grüßen sich in diesen Tagen mit diesem Satz. Ist es überhaupt ein richtiger Satz? Es ist eher ein Fragment – denn die entscheidende Aussage fehlt. Was ist mit dem neuen Jahr?, so möchte man fragen. Lässt dieser Gruß bewusst offen, was gemeint ist, so dass ich selbst einsetzen kann, was ich an Wünschen für das neue Jahr habe, was das neue Jahr für mich bereithalten möge? Ich weiß es nicht genau.
Nun, das neue Jahr hat inzwischen begonnen, es ist schon drei Tage alt. Was wird es mir bringen? Was hält es für mich bereit? Wird es mir gelingen, das zu verwirklichen, was ich mir vorgenommen habe? Und was kommt auf mich zu, was eben einfach geschieht, was ich gar nicht beeinflussen kann?
Die Antwort auf all diese Fragen weiß ich nicht. Kann ich gar nicht wissen. Und es ist vielleicht auch gut, sie nicht im Voraus zu wissen. Wir müssen mit diesen offenen Fragen, mit diesen Ungewissheiten leben. Aber wir brauchen nicht in Angst und Sorge zu leben, wir müssen uns nicht fürchten vor dem, was kommt. Denn Jesus, dessen Kommen in die Welt wir eben gefeiert haben, sagt uns: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ Diese Zusage macht mich gelassen trotz aller Unsicherheiten und Ungewissheiten, in denen ich lebe und die gerade am Beginn eines neuen Jahres groß werden. Ich kann gelassen der Zukunft entgegenblicken, denn ich weiß zwar nicht, was sie für mich bereithält, aber ich weiß, in allem, was sie für mich bereithält, bin ich nicht allein. Denn Jesus ist bei mir. Seine Kraft wird mir zuteil. Wenn ich nicht mehr weiter kann, stützt ER mich. Selbst wenn ich falle, hebt ER mich wieder auf. Wenn Lasten mich niederdrücken, hilft ER mir tragen. Wenn niemand mich lieben sollte, ER schon. Wenn ich traurig bin, tröstet ER mich. Und wenn der Tod nach mir greifen sollte, so weiß ich, dass ER mich ins Leben führt. Ich weiß mich in IHM geborgen. Und das tut mir gut. Das lässt mich aufatmen. Darüber freue ich mich. Und so will ich mich auch im neuen Jahr einfach IHM anvertrauen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen „A nei Gahr“! Diesen allgemeinen Wunsch fülle ich damit, dass ich es Ihnen wünsche, dass auch Sie sich von Jesus Christus getragen wissen, in IHM geborgen, von IHM geliebt. ER gebe Ihnen die Gewissheit, dass Sie auch im neuen Jahr nicht allein sind, weil ER für Sie da sein will.
Pastor Lutz Brückner, Evangelisch-methodistische Kirche Grünhain
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