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Kirchliches Wort

Das Kirchliche Wort 17.08.2002

Artikel für „Das kirchliche Wort“ am 17.8.2002 in der Freien Presse

Sintflut!?
Wenn man sich in unserem Landkreis umschaut, sieht man zur Zeit erschreckende Bilder: Geröllhäufen, unterspülte Straßen, beschädigte Häuser, zerstörte Gärten usw. Da drängt sich einem irgendwie ein biblisches Bild auf: die Sintflut. Damals war sie Folge menschlicher Bosheit und Sünde. Und heute? Wissenschaftler sprechen immer wieder von der globalen Klimaerwärmung und von den Sünden der Vergangenheit, als man natürliche Auslaufzonen der Flüsse und Bäche versiegelt und bebaut hat. Das rächt sich nun.

Nur: das zu wissen, hilft den Betroffenen nicht weiter. Mit Grausen denke ich daran, was die Menschen in den überschwemmten Gebiten durchmachen mussten und müssen. Und ich bewundere sie, die mit dem Mut der Verzweiflung ver-suchen, den Schaden zu begrenzen.
Was aber hilft den Betroffenen weiter? Sicherlich wird es Hilfen durch Bund und Land geben. Aber wie kann ich den betroffenen Menschen helfen? Diese Frage bewegt mich. Als Christ kann ich meine Hände falten und beten. Ich kann dafür beten, dass Gott den Betroffenen Kraft gibt für ihren Kampf gegen das Wasser und seine Folgen, für all ihr Arbeiten und Mühen. Ich kann Gott darum bitten, dass er denen, die vieles oder alles verloren haben, dennoch Hoffnung und eine Perspektive für die Zukunft gibt. Ich kann dafür beten, dass ihnen nicht der Mut sinkt.

Beten ist wichtig, aber ich denke, es ist nicht alles. Ein alter Satz aus der Kirchengeschichte, der hier plötzlich wieder hochaktuell ist, lautet: "Ora et labora" ("Bete und arbeite"). Beten ist wichtig, aber genauso das Tun. Beides gehört zusammen in jeder Situation des menschlichen Lebens. Eins ist ohne das andere undenkbar: wer betet, aber nichts tut, ist ein frommer Phantast; wer viel tut, dabei aber das Gebet vernachlässigt, verliert sich in Aktionismus.
Was ist also zu tun, außer zu beten? Die von den Fluten betroffenen Menschen brauchen tatkräftige Hilfe in der Nachbarschaft und darüber hinaus. Sie brauchen vor allem Unterstützung durch Spenden und andere Gaben. Ich gehe davon aus, dass auch in unserem Landkreis dazu aufgerufen wird, Sach- und Geld-spenden zu sammeln.

Sind sie bereit zu helfen? Dann falten Sie ihre Hände und beten für die Betroffenen, dann greifen Sie zur Schaufel und helfen Ihren Nachbarn, und dann machen Sie sich auf und überweisen einen Betrag, der ganz konkret Hilfe leistet. Das kann jeder tun, unabhängig davon, ob er ein Christ oder ein Nichtchrist ist.

Pastor Lutz Brückner, Evangelisch-methodistische Kirche Grünhain


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