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Kirchliches Wort

Das Kirchliche Wort 25.06.2005

Das Kirchliche Wort – Freie Presse am 25.06.2005

Itze giehts wiedor is Bärgl dingenei

Nun sitze ich vor meinem Computerbildschirm und überlege, worüber ich diese Zeitungsandacht schreiben soll. Da laufen unten auf der Straße zwei ältere Damen vorbei und unterhalten sich lautstark. Durch das offene Fenster ist zu hören: „Esu schnell vorgieht die Zeit! Kaum is dor letzte Schnee wag un de Eisheilichen vorbei, wärn de Toch ah schu wiedor kürzor, itze giehts is Bärgl wiedor dingenei!“

Hmm, stimmt, die Tage werden schon wieder kürzer. Manchmal hab ich auch das Gefühl, ich komm der davon laufenden Zeit nicht hinterher. Woran liegt das? Ich weiß es nicht genau. Vielleicht packe ich zuviel in meine Zeit hinein, will möglichst schnell möglichst viel erledigen. Klar, vieles davon ist wichtig, lässt sich nicht so ohne weiteres weglassen. Manchmal wünschte ich mir, dass der Tag 48 Stunden hätte. Aber ob das Abhilfe schaffen würde?

Ich frage mich: wozu hat mir Gott die Zeit gegeben, meine Zeit, die mir zugemessene Zeit? Sicher ist diese Zeit begrenzt. ER hat ihr ein Ende gesetzt. Es war aber sicher nicht seine Absicht, mich zu hetzen und zu treiben und ruhelos werden zu lassen. Gott, der Herr, hat mir meine Zeit gegeben als eine Art Leihgabe, und er wird mich einmal fragen, was ich mit seiner Gabe gemacht habe.

Ja, was mache ich aus der mir zugemessenen Zeit? Wie nutze ich sie? Lasse ich mich nur von einem Termin zum anderen jagen oder nehme ich mir etwas von meiner Zeit, um sie für mich selbst, für andere oder für Gott zu nutzen?

Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, mir täglich Zeit zu nehmen, um mich zu besinnen auf das, was wirklich wichtig ist in meinem Leben: auf meine Beziehung zu Gott und darauf, wie ich diese Beziehung lebe. Denn auch mein Leben „gieht is Bärgl dingenei“ und wird einmal zu seinem Ziel gekommen sein. Die Zeit bis dahin möchte ich nicht hektisch vertun, sondern dafür nutzen, um genau für diesen Augenblick bereit zu sein, um mein Leben in Ordnung zu haben. Und wenn ich wieder einmal an dem Punkt angelangt bin, wo ich sage: „Fürs Beten und Bibellesen hab ich jetzt keine Zeit“, dann will ich mich an einen Satz erinnern, den Martin Luther gesagt haben soll: „Ich habe heute viel zu tun, da muss ich vorher viel beten!“

Pastor Lutz Brückner, Evangelisch-methodistische Kirche Grünhain


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