Das Kirchliche Wort – Freie Presse am 17.12.2005
Warten
Wieder einmal waren die Krebsnachsorgeuntersuchungen abgeschlossen bei mir. Nach einigen Tagen rief ich den Arzt an, um die Ergebnisse zu erfahren. Der sagte mir, dass es einen unklaren Befund gäbe und ich nochmal zum Blutnehmen kommen müsse. Wir vereinbarten also einen neuen Termin. Dort sagte man mir, in einer Woche könne ich die Ergebnisse erfahren. Sollten sich die Werte allerdings bestätigen … Nun, ich weiß ja, was es heißt, eine Krebsbehandlung über mich ergehen zu lassen. Sie können sich vorstellen, dass ich sehr in Unruhe war. Nun war erstmal Warten angesagt. Warten mit ungewissem Ausgang. Zwei Tage später klingelte das Telefon, der Arzt war dran. Mein Herz raste. Aber er hatte gute Nachrichten. Entwarnung, alles im grünen Bereich. Wie war ich froh und dankbar meinem Herrn!
In all dem wurde mir neu bewusst, dass wir gerade im Advent leben, in einer Zeit, die uns daran erinnert, dass wir Wartende sind. Wir Christen warten darauf, dass unser Herr, Jesus Christus, wiederkommen wird, um endgültig Frieden und Gerechtigkeit zu bringen. Das ist kein Warten mit ungewissem Ausgang, sondern ein Warten auf das, woran wir glauben und worauf wir hoffen. Durch das Kommen Jesu Christi in die Welt, durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen glauben wir daran, dass diese irdische Welt nicht alles ist und dass Leid und Tod nicht das letzte Wort über uns sprechen. Wir haben die begründete Hoffnung, dass wir einmal in Gottes Welt in Ewigkeit leben werden. Adventszeit heißt: Warten auf den Erlöser, auf den, der uns befreit von allem, was uns hier gefangen hält und niederdrückt.
Lebe ich aber wirklich in dieser Erwartung? Oder sind mir die Dinge, die mir vor Augen liegen, wichtiger? Mein Arzt hat mich angerufen, als ich noch gar nicht mit einem Befund rechnete. Das war für mich überraschend angenehm, hatte ich mich doch auf eine längere Zeit des Wartens eingestellt. So kann es auch mit dem wiederkommenden Herrn sein – zu einem Zeitpunkt, wo ich gar nicht damit rechne, kann es plötzlich so weit sein. Bin ich bereit dafür? Oder meine ich, es hat noch Zeit, mich um meinen Glauben zu kümmern? Dann kann es sein, dass ich überrascht werde. Und wenn ich dann nicht bereit bin?
Ich möchte Sie daran erinnern, dass es wichtig ist, die Entscheidung für ein Leben mit Christus gleich zu treffen und nicht auf die lange Bank zu schieben. Noch ist Zeit zur Entscheidung. Wie lange noch?
Pastor Lutz Brückner, Evangelisch-methodistische Kirche Grünhain
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