Geistliches Wort | Monatsspruch Mai 2009  

Geistliches Wort

Das Geistliche Wort 10.01.2009

Das Geistliche Wort (10.01.2009)

Neuschnee

Ich bin noch ganz schön außer Atem, als ich mich hinsetze, um diese Zeilen hier zu schreiben. Ich war draußen, Schnee schippen. Brusthoch waren die Schneewehen vor der Kirchentür. Begeistert war ich darüber nicht.Ein wenig muss ich aber noch lächeln über die Kinder im gestrigen Kindergottesdienst. Einige schimpften darüber, dass der schöne Schnee erst jetzt fällt, wo die Weihnachtsferien zu Ende sind. Hätte er nicht ein paar Tage früher kommen können? Die Älteren dagegen schimpften auch, aber aus einem anderen Grund: Schnee im Winter ist ja ganz gut, aber muss es gleich so viel auf einmal sein?
Aber so ist das ja oft in unserem Leben – da geschehen die Dinge nicht immer so, wie wir sie gerne hätten; manches kommt viel zu früh, anderes zu spät, wieder anderes kommt nie und manches wäre besser niemals geschehen. Und vieles ist natürlich eine Frage des eigenen Standpunktes. Auf alle Fälle ist es nicht immer leicht, sich mit den Gegebenheiten des Lebens abzufinden.
Oft genug ergeben wir uns in unser vermeintliches Schicksal, und doch hätten wir mit etwas mehr Willen und Mut vieles verändern und abwenden können. Manchmal begehren wir dagegen auf und es ist gut so, weil wir doch etwas bewegt haben, was vorher völlig undenkbar schien. Manchmal aber begehren wir auf und es ist ein sinnloser, aussichtsloser Kampf wie gegen Windmühlen, der uns aufreibt und zermürbt, aber nicht das Geringste erreichen kann.
Ich habe kürzlich ein Gebet von dem deutsch-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr in Händen gehabt, das er wohl in der Zeit um den 2.Weltkrieg herum formuliert hat. Seine Zeilen haben mich sehr beschäftigt: „Gott, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
Das wünsche ich Ihnen für das neue Jahr 2009, dass Sie Gelassenheit zum Hinnehmen, Mut zum Verändern und Weisheit zum Abwägen beider Möglichkeiten geschenkt bekommen! Das größte Geschenk aber ist es, wenn man in allem, was geschieht, weiß und spüren kann, dass man nicht allein ist, sondern Gott tröstend und helfend an seiner Seite hat.

Pastor Lutz Brückner
Evangelisch-methodistische Kirche Grünhain


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