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Kirchliches Wort

Das kirchliches Wort - 16.06.2007

Das kirchliche Wort - Freie Presse am 16.06.2007

Vielleicht?

Ich komme gegen Abend nach Haus und weiß, meine Frau und mein Großer sind nicht da. Der Kleine sollte allerdings daheim sein. Es sieht auch alles danach aus: die Wohnungstür ist offen, seine Schuhe liegen kreuz und quer im Flur, in der Küche benutztes Geschirr auf dem Tisch, der Fernseher auf Standby. Doch wo ist er nur? Ich kann ihn nirgends finden; auch in seinem Zimmer nicht, obwohl sein Radio vor sich hin dudelt. Ein bisschen Unruhe macht sich breit. Wo soll ich noch suchen? Im Bad brennt zwar Licht (typisch, wieder mal das Ausschalten vergessen) aber auch hier ist er nicht. Ich schaue noch einmal in sein Zimmer und siehe da, auf seinem Hochbett im äußersten Winkel liegt er und liest. Eigentlich wusste ich, er ist da, und trotzdem wurde ich unruhig, als ich ihn nicht gleich gefunden habe.
Wussten Sie, dass es mit Jesus so ähnlich ist? Zunächst ist es wichtig, dass wir in unserem Lebenshaus nicht allein wohnen, sondern dass ER auch darin eingezogen ist. Aber auch hier ist es manchmal so, dass wir uns fragen: Wo ist Jesus nur? Wir suchen ihn in allen Ecken unseres Lebenshauses. Er muss doch aber da sein! – Ist ER auch. Aber nicht immer offensichtlich, spürbar. Oft eher verborgen. Das kann uns Menschen ganz schön aus der Bahn werfen! Da, wo wir Jesus am meisten brauchen, scheint ER nicht da zu sein; wo wir mit unserem Problem zu IHM kommen wollen, scheint ER weit weg zu sein.
Obwohl die Spuren in unserem Lebenshaus eine andere Sprache sprechen: Wir sind IHM doch schon begegnet! Da war heute die Frau im Supermarkt, die mir wohl ansah, dass es mir schlecht geht und mir ein liebes Wort mitgab. Und heute früh bei der Bibellese hab ich mir doch dieses Wort gemerkt, das mich so angesprochen hat: „Ich bin bei dir alle Tage!“ Das sind doch Spuren, die auf die Gegenwart Jesu in meinem Leben hinweisen! Vielleicht muss ich nur die Augen weiter aufmachen und sensibler werden, um SEINE Nähe zu spüren? Vielleicht muss ich mich auch davon verabschieden, dass ER mein Wünscheerfüller ist? Vielleicht will ER ja auch ganz anders für mich da sein, als ich es will? Vielleicht muss ich einfach nur darauf vertrauen, dass ER mich gerade in den schweren Zeiten meines Lebens hält und trägt? Nicht vielleicht, gewiss muss ich das! Denn ich darf wissen: Jesus ist da in jedem Augenblick meines Lebens: wenn es mir schlecht geht, aber auch, wenns mir gut geht! Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Sie Jesus in Ihrem Lebenshaus nicht gleich finden sollten! ER ist da. Vertrauen Sie darauf, vertrauen Sie IHM, ER wird Ihnen beistehen. Ganz sicher!

Pastor Lutz Brückner, Evangelisch – methodistische Kirche Grünhain.


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