Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist. (Johannes 11,27)
Der Monatsspruch ist einer schier unglaublichen Geschichte im Neuen Testament entnommen: Der Auferweckung des Lazarus. Jesus wird von Martha und Maria eine Nachricht überbracht, dass sein geliebter Freund Lazarus krank danieder liegt. Also macht er sich mit seinen Jüngern auf den Weg zu ihm. Als er in Bethanien eintrifft, ist Lazarus bereits seit 4 Tagen tot – es ist scheinbar zu spät. Dann auch noch der Vorwurf der Martha: Wärst du hier gewesen, wäre mein Bruder nicht gestorben.
„Ich bin die Auferstehung und das Leben“, entgegnet Jesus. Eine Aussage, die Martha zu dieser Zeit sicher nicht in ihrer ganzen Größe verstanden haben dürfte. Schließlich stand der Kreuzestod Jesu und seine Auferstehung noch bevor. Und dann diese schwer verständlichen Worte danach: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt … - glaubst du das?“ Aber Martha ist sich ganz sicher. Scheinbar ohne zu zögern erwidert sie: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.“
Haben wir auch einen solchen Glauben wie Martha? Können wir auch in tiefster Trauer sagen: „Ja, Herr, ich glaube!“? Können wir auch in Augenblicken größter Enttäuschung, in allerhöchster Not, in den Tiefen unseres Lebens sagen: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist!“? Der Christus, dem nichts unmöglich ist. Der, der unsere Schuld ein für alle mal getilgt und den Tod überwunden hat. Durch den wir das ewige Leben haben.
„Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Dieser Höhepunkt der Ich-bin-Worte Jesu bezeichnet nicht einen Vorgang, den es geben wird in einer noch fernen Zeit. Nein. Er bezeichnet eine Person, die da ist. „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ – jetzt schon. Auferstehung und Leben gibt es nur in Christus. Und wir, die wir an ihn glauben dürfen, haben dieses Leben bereits empfangen. Sind wir uns dessen bewusst? Im Gegensatz zu Martha kennen wir die weiteren Ereignisse, die mit Lazarus und vor allem mit Jesus in Verbindung stehen. Wir kennen das Happy End bereits, welches zur damaligen Zeit noch bevor stand. Wir wissen, was unser Herr für uns getan hat. Und gerade deshalb sollten wir immer wieder frei heraus bekennen: Ja, Herr, ich weiß, dass du der Christus bist, der in die Welt gekommen ist.
Wenn wir unseren Text in einer anderen Übersetzung als oben (Luther) lesen (z.B. Elberfelder, Zürcher), fällt uns auf, dass der Satz in einer Zukunftsform formuliert ist: „…der in die Welt kommen soll.“ Ungeachtet dessen, was dem eigentlichen Text des Johannes eher entspricht, lenkt diese Formulierung unsere Gedanken doch auf eine andere Sache. Jesus ist die Auferstehung. Er wird kommen und die Toten rufen, und somit deren leibliche Auferstehung bewirken. Paulus enthüllt dieses Geheimnis (zur Zeit der Martha war dies noch nicht bekannt!) im Thessalonicherbrief (1.Thess.4,16) vollständig. Er sagt, dass Christus die zu dieser Zeit lebenden Gotteskinder mit den auferstehenden Toten, welche in Christus gestorben sind, zu sich nehmen wird, um alle Zeit bei ihm zu sein.
In unserer Geschichte wird von der Auferweckung des Lazarus gesprochen, nicht von dessen Auferstehung. Aus der Sicht Jesu hat Lazarus „nur“ geschlafen und wurde in das irdische Leben zurück „auferweckt“ – „damit ihr glauben lernt“ (Joh 11,15). Lazarus behielt seinen irdischen Leib. Hierin finden wir einen ganz wesentlichen Unterschied zur Auferstehung. In der Auferstehung werden wir einen neuen, geistlichen Leib erhalten und wir werden unserem Herrn und Heiland, dem Christus, gleich gestaltet sein.
Die Auferweckung des Lazarus, das eigentliche Thema der Geschichte, wird am Schluss fast beiläufig erwähnt. Irgendwie scheint beim Lesen dieser Aussagen der Dampf schon etwas raus zu sein, oder? Der Höhepunkt der Erzählung ist eigentlich schon vorbei. Aber warum eigentlich? Weil die Auferweckung zurück in ein irdisches Leben niemals mit der Auferstehung in eine neue Leiblichkeit gleich zu setzen ist. Weil ein Leben mit Christus auf dieser Erde von einer untrennbaren Verbindung mit IHM nach der Auferstehung um Längen übertroffen wird. Weil unser Ziel nicht das irdische Leben ist (sein soll), sondern die Mitgliedschaft am Leib Christi in der Ewigkeit. Deshalb ist für mich die Aussage von Jesus zweifellos der Höhepunkt unserer Betrachtung. Und die Antwort der Martha ist ein Vorbild für uns alle: Ja, ich glaube… .
Genau dieser Glaube ist es, der uns vor Gott rechtfertigt. Dieser Glaube, den wir haben dürfen, errettet uns vom Tod. Dieser Glaube macht uns gewiss, dass uns nichts und niemand scheiden kann von der Liebe Gottes, welche in Christus Jesus ist. Dieser Glaube gibt uns die Sicherheit, dass wir einmal auferstehen werden und für immer bei Jesus sind. Ja Herr, ich bin überzeugt und glaube, dass du der Christus, der Retter bist, der in die Welt kommen wird. Diesen Glauben wünsche ich uns allen.
Bernd Stiehler
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