DU bist ein Gott, der mich sieht. (1.Mose 16,13)
„Du bist ein Gott, der mich sieht!“ – ich finde das eine sehr eindrucksvolle Glaubensaussage. Da hat ein Mensch etwas erkannt, das vielen von uns noch lange nicht klar ist. Es gibt ja viele Dinge in unserem Leben, die uns bestimmen bzw. von denen wir uns (bewusst oder unbewusst) bestimmen lassen. Damit werden sie uns zu Göttern. Ob es das Fernsehprogramm ist oder das Streben nach Geld, ob es das Auto ist oder das Onlinespiel, ob es das Haus und der Garten ist oder das Streben nach Macht, ob es unsere Arbeit ist oder unsere verzweifelte Suche nach Arbeit – all das (und noch viel mehr) bestimmt oft unser Leben ganz und total. Manchmal bestimmt es unser Leben, obwohl wir uns dagegen wehren wollen, oft aber bestimmt es unser Leben, weil wir es gar nicht anders wollen. Mal ganz abgesehen vom 1.Gebot – „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“ – merken wir jedoch oft, dass diese „Götter“ nichts taugen. In schwierigen Lebenslagen sind sie nicht verlässlich und können nicht wirklich helfen. Sie geben keine Perspektive über den Tod hinaus. Ja sie treten auch nicht mit uns in Kontakt. Wir können keine Gemeinschaft mit ihnen haben. Sie sehen uns nicht, sie können uns gar nicht sehen, weil es tote Götzen sind. „Du bist ein Gott, der mich sieht!“ – was ist das hingegen für eine Aussage! Da hat ein Mensch in Gott sein Gegenüber gefunden. Er weiß, dass Gott lebendig ist und ihn sieht: er sieht sein Leben, seine Not, und er sieht ihn gnädig an. Er durchschaut auch seinen Selbstbetrug, mit dem er sich oft selber etwas vormacht. Und er findet in Gott die Gemeinschaft, die sein Leben reich macht. Ich finde dieses Bekenntnis Klasse – und ich wünsche mir und uns allen, dass auch wir zu denen gehören, die darum wissen, dass Gott sie sieht – Gott sieht uns an, er sieht uns gnädig an, er sieht in unser Herz hinein, ihm können wir nichts vormachen. Das ist aber nicht etwas Belastendes für mich, sondern etwas, was mich ganz und gar entlastet: zu wissen, dass Gott, der mich liebt, für mich da ist und mich ansieht, also eine Beziehung zu mir aufbauen will. Wie reagieren wir darauf? Nehmen wir Blickkontakt auf? Tun wir alles dafür, dass es kein einseitiger Versuch bleibt, Kontakt herzustellen? Ich wünsche es mir und uns allen, dass es uns gelingt, den Blick Gottes auf uns zu erwidern und in Gemeinschaft mit ihm unser Leben zu gestalten! Vielleicht können ja auch wir zu Gott sagen: Du bist ein Gott, der mich sieht.
Lutz Brückner
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