Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. (Römer 8,18)
Er klingt schon ganz schön vollmundig, dieser Monatsspruch. Doch Paulus geht es bei dem, was er da sagt, nicht um eine oberflächliche Vertröstung, im Sinne von: einst wird alles besser! Vielmehr spricht er aus seiner eigenen Lebenssituation heraus: Er war ein kranker Mann, saß mehrfach im Gefängnis, hatte Schiffbruch, Anfeindungen und Entbehrungen durchlitten und schwebte mehrfach in akuter in Todesgefahr.
Ich frage mich: Wie schwer wiegt eigentlich das Leid in meinem, in unserem Leben? Gibt es einen Ausgleich dafür, sozusagen ein Gegengewicht? Angesichts des Leidens in dieser Welt müsste das ja ein gigantisches Ausgleichsgewicht sein!
Ich sehe vor mir das Bild einer alten Waage, rechts und links eine Eisenplatte. Als Kind durfte ich im Gemüsegeschäft in Planitz gelegentlich die Gewichte auf die eine Seite der Waage stellen; dazu gab es verschieden große Gewichte. Ziel war, die beiden Platten auf gleiche Höhe zu bringen, denn dann war das Gleichgewicht hergestellt und wir wussten, wie viel Kartoffeln wir zu bezahlen hatten.
Wie schwer wiegt das Leid in unserem Leben? Was kommt auf die andere Seite der Waagschale? Paulus schreibt von der Herrlichkeit Gottes, die unserem Leid in dieser Welt zwar nicht das Gewicht nimmt, das es hat, die aber um soviel größer und gewichtiger ist, als das unendliche Leid, das Menschen in dieser Zeit erfahren. Unvorstellbar! Unser Leiden, dass uns maßlos vorkommt, kann kein Maß für Gottes Herrlichkeit sein.
Was ist das aber, die Herrlichkeit Gottes? Für mich ist sie nicht nur das zukünftige Geschehen, worauf wir als Christen uns freuen dürfen, sondern sie zeigt sich schon hier und heute in Gottes Gegenwart in meinem Leben, in seiner unendlichen Liebe und seinem herzlichem Erbarmen über uns, in seiner persönlichen Zuwendung und der trostvollen Geborgenheit, die wir in ihm erleben dürfen. Sie zeigt sich als aufstrahlendes Licht in der Dunkelheit meines Lebens und in dem tiefen Vertrauen, das er mir schenkt.
Dass das schwerer wiegt als unser Leid, ist eine Glaubensaussage, die unserem Leben eine klare Richtung geben will und eine Hoffnung in schwerer Zeit.
Die Barmherzigkeit und die Liebe Gottes wird sich zeigen in unserem Leben. Auch das ist eine Glaubensaussage und eine Hoffnung. Dass wir in dieser Hoffnung leben können auch angesichts leidvoller Erfahrungen in unserem Leben, das wünsche ich uns allen. Möge die Hoffnung auf Gottes vollendete Herrlichkeit uns schon jetzt Kraft geben, die schweren Dinge dieses irdischen Lebens und dieser vergänglichen Welt zu tragen.
Lutz Brückner
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