Wer das Gute tun kann und es nicht tut, der sündigt. (Jakobus 4,17)
Gedanken zum Monatsspruch:
„Ich lebe doch anständig. Ich lasse mir nichts zu Schulden kommen. Ich gehe regelmäßig zum Gottesdienst. Ich habe mit niemandem Streit. Ich führe ein ordentliches Leben. Das muss doch reichen!“ So denken manche Christen. Aber reicht das? Ein moralisch anständiges Leben führen, wo alles sauber und in Ordnung ist – reicht das wirklich? Das Wort aus dem Jakobusbrief sagt: Nein! Wir werden auch dann schuldig, wenn wir etwas Bestimmtes – hier in diesem Fall das Gute – nicht tun. Es gibt nicht nur Sünden, die wir tun, sondern es gibt auch Sünden, bei dem, was wir unterlassen. So manche sagen: Wer nichts macht, macht auch keine Fehler. Das aber stimmt nicht. Tatsächlich macht der einen Fehler bzw. wird schuldig, der das Gute nicht tut. Wer als Christ leben möchte, der kann nicht nur konsumieren, der ist auch dazu angehalten, etwas weiterzugeben. Ich mache mich auch schuldig, wenn ich etwas Bestimmtes nicht tue.
Der Text ist eine Aufforderung an uns, das Gute zu tun. Das heißt nicht, dass wir um jeden Preis das Gute tun müssen. Der Text macht eine Einschränkung: „Wer das Gute tun kann“. Unser Handeln ist davon abhängig, ob wir überhaupt dazu in der Lage sind, dies auch auszuführen. Gott fordert von uns nichts Unmögliches. Er kennt unsere Fähigkeiten und er will, dass wir so leben, wie wir auch dazu in der Lage sind. Für mich ist das tröstlich. Ich brauche nichts zu machen, was ich nicht kann. Umgekehrt gilt aber auch: Wenn ich das Gute kenne und es tun kann, es aber nicht tue, mache ich mich schuldig.
In der genauen Übersetzung dieser Bibelstelle geht es mehr darum, ob jemand das Gute kennt, ob er weiß, was gut ist. Und wenn er weiß, was gut ist und es nicht tut, lädt er Schuld auf sich. Weiß ich, was gut ist? Was ist das Gute? Auf diese Frage finden wir eine Antwort beim Propheten Micha in Kapitel 6, Vers 8: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ Das Gute hängt mit Gottes Willen zusammen. „Gut“ bedeutet zuerst, was Gott ist. So heißt es an vielen Stellen in der Bibel, dass Gott gut ist. Gut ist aber auch all das, was er will und das, was er für gut heißt. Sein Wille, d.h. das Gute, ist in den zehn Geboten zusammengefasst. Das wichtigste von allem ist die Liebe. So ist Gutes tun nichts anderes als sich in Liebe den Menschen zuwenden und sich um die Menschen kümmern, die in Not sind. Genau das hat Jesus getan. Er hat uns vorgelebt, was es bedeutet, Gutes zu tun.
„Gut“ ist im Allgemeinen und konkret im Einzelfall das, was Gott will. Letztendlich geht es darum, nach dem Willen Gottes zu leben und zu handeln. Da gibt es die Einschränkung, ob wir das auch können, nicht mehr. So sind alle, die seinen Willen kennen, aufgefordert, auch entsprechend zu leben. Wir werden schuldig nicht nur durch moralisches Fehlverhalten, sondern auch wenn wir nicht das tun, was Gott will. Unsere größten Sünden bestehen meistens in unseren Unterlassungen und seltener in dem, was wir falsch gemacht haben. Wer den Willen Gottes kennt, aber nicht danach lebt, der macht sich schuldig.
Wilfried Wendler
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