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Monatsspruch September 2008

Gott spricht: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.
(Jeremia 31,3)

Gedanken zum Monatsspruch:

Gott hatte den Israeliten die Folgen ihres Ungehorsams spüren lassen. Sie hatten sich schon länger von ihm zurückgezogen und als er nun das gleiche tat, waren sie den Feinden ausgeliefert. Ihr Land wurde erobert und viele in das Exil nach Babylon verschleppt. Trotz ihrer Schuld ihm gegenüber, der Verletzung des Bundes, konnte Gott aber nicht von seinem Volk lassen. Durch Jeremia lässt er die Rettung ankündigen. Unser Monatsspruch stammt aus dieser Ankündigung. Der Grund für diese Wiederannahme des Volkes liegt nicht im Volk. Gott stellt ganz klar, dass dies nicht verdient ist. Der Grund ist die Zuneigung, die Liebe, die er für sein Volk empfindet. Schon immer hat er sein Volk geliebt. Aus diesem Grund hatte er es erwählt, noch bevor es sich zu ihm bekennen konnte, aus Güte, nicht aus Verdienst. Selbst als es wiederholt untreu wurde, als er es die Folgen der Untreue spüren ließ, hat seine Liebe nie aufgehört. Auch wenn er strafte, liebte er.

Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie Gott wieder und wieder nachgibt und sich immer wieder dem Volk zuwendet. Egal wie groß die Verfehlungen waren und wie sehr sie ihn und seine Gemeinschaft ablehnten. Von uns Menschen aus wird die Gemeinschaft und die Beziehung mit Gott ständig gestört. Doch Gott zieht sich nie ganz zurück, er bleibt uns Menschen treu. Zwar straft er und lässt uns die Folgen einer Trennung von ihm spüren, doch gibt er die Beziehung zu uns nie ganz auf. Im Gegensatz dazu steht der Mensch, der kein Problem hat, ganz ohne Gott zu leben.
Der Mensch meint, ganz ohne Gott leben zu können - kann es aber nicht.
Gott könnte ohne den Menschen existieren - will es aber nicht.
Diese zwei Gegensätze stehen sich immer wieder gegenüber und beide sind mir unverständlich. Warum sieht der Mensch nicht die Vernünftigkeit einer Gemeinschaft mit Gott ein, seine ganze Existenz hängt doch an ihm? Und warum tut sich Gott den Mensch immer wieder an, er ist doch nicht auf ihn angewiesen?

Aber Gott liebt, das ist die große Konstante in der wechselvollen Geschichte Gottes mit uns Menschen. Seine Liebe beruht nicht auf unserem Willen, auf unseren Leistungen und unserer Entscheidung. Darum hört sie nie auf. Mich erinnert das eine Stelle aus einem Buch, die mir bei diesem Thema immer wieder in den Kopf kommt. Auch hier geht es um die Liebe Gottes:
Gottes Liebe zu uns beruht nicht auf irgendeiner Tugend in uns oder auf dem, was wir im Leben schon erreicht haben. Aber es ist ein Kennzeichen seiner Liebe, dass er uns nicht so bleiben lässt, wie er uns vorfindet. Wenn jemand das Wagnis des Glaubens eingeht, dann spricht Gott so zu ihm: „Jetzt werde ich anfangen, dich zu verändern. Durch deine Drüsen und Erbanlagen, durch äußere Umstände und Erfahrungen ist in deinem ‚inneren Computer‘ die Unfähigkeit einprogrammiert, vollkommen zu lieben. Ich aber liebe dich so sehr, dass ich dieses ganze Gewirr von Erfahrungen, Gefühlen und Gedanken in dir verändern möchte, die dich zu einem unberechenbaren und kontaktunfähigen Menschen machen. Es wird vielleicht tausend Jahre dauern, bis ich dich ‚umprogrammiert‘ und zu einem Menschen gemacht habe, der seine Mitmenschen, sich selbst und mich lieben kann; aber ich verspreche dir, dass ich nicht damit aufhören werde, bis ich dich vollkommen umgestaltet habe. In dem Augenblick, wo du mir dein Leben gibst, fange ich damit an, und ich werde nicht eher damit aufhören, bis all deine Ausflüchte und Verteidigungskünste und Einwände und Ausreden überwunden sind und du eine klare, kontaktfähige Persönlichkeit geworden bist.“ So höre ich Gott im Evangelium sprechen. Und weiter: „Aber wenn auch tausend Jahre dieses Umwandlungsprozesses vergangen sind, werde ich dich doch kein bisschen mehr lieben als in dem Augenblick deiner Übergabe an mich - nicht ein Quentchen mehr, als ich dich schon liebte im Augenblick deiner Geburt. Meine Liebe zu dir ist vollkommen und bedingungslos. Ich möchte dich nicht so verändern, dass ich dich lieben könnte. Nein, ich liebe dich, und deshalb möchte ich dich ändern.“ (aus: "Keiner soll mehr draußen stehen", Bruce Larson)

Ich habe es immer wieder nötig, mir diese Liebe bewusst zu machen. Schließlich ist diese bedingungslose einseitige Annahme der Grund für mich, Gott zu vertrauen.

Michael Seidel


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