"Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet." (Jesaja 66,13)
"Trost" – Gedanken zum Monatsspruch für Dezember
Ist es nicht eine der schönsten Momentaufnahmen in unserem Leben, wenn sich ein Kind voller Vertrauen und voller Liebe an uns drückt und Nähe und Geborgenheit sucht? Aber haben wir Väter es nicht auch oft erlebt, dass unsere Kinder in ihrer größten Not, im Schluchzen und nimmer aufhörendem Weinen den Trost bei der Mutter gesucht haben?
Jesaja benutzt gerade dieses Bild der tröstenden Mutter für Gottes Zusage des zukünftigen Heils an das Volk Israel.
Das Volk Israel ist in einer verzweifelten Lage, als der Prophet diesen Satz spricht. Die Babylonier hatten die Oberschicht des Staates Juda vertrieben und in Babel angesiedelt. Etwa 1000 km Wüste trennen Jerusalem von den neuen Wohnorten. Die Juden in Babel dürfen nicht zurück in ihre Heimat, sie können den Tempel, das Zentrum ihres Glaubens, nicht mehr erreichen. Das Heimweh und die Sehnsucht, wieder heimkehren zu dürfen, bestimmen das religiöse Leben und Denken der Juden in der Fremde. Immer wieder klagen sie in ihren Gebeten und Psalmen ihr Leid und bitten Gott um eine Änderung ihres Schicksals.
Ganze Völker können in Situationen geraten, aus denen es keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Die Zukunft ist wie ein schwarzes Loch, wie ein nicht enden wollender Tunnel.
Doch nach 70 Jahren in der babylonischen Gefangenschaft geschieht, was alle erhofft hatten: Die Babylonier lassen die Gefangenen frei. Endlich dürfen die Juden in ihre Heimat zurückkehren.
In diese Situation hinein spricht der Prophet den Satz: “Wie einen seine Mutter tröstet, so will ich euch trösten.“
Aber auch den einzelnen Menschen kann tiefe Hoffnungslosigkeit treffen. Wer in solch einer Situation allein bleibt, sieht manchmal keinen Ausweg mehr. Das Leid der Gegenwart schmerzt so sehr, dass Menschen glauben, mit Alkohol, Tabletten oder Drogen sich betäuben zu müssen. Die Verzweiflung aber bleibt und flammt wieder auf, wenn die Betäubung nachlässt.
Manch einer wird denken, was soll dieser Monatsspruch in der Zeit, wo wir die Geburt von Jesus erwarten und feiern wollen. Gerade dieses Kind, zwischen Esel und Ochsen in einer Futterkrippe liegend, von den Ärmsten im Stall besucht, von Königen verehrt, wird zum großen Tröster für dich und für mich. Dieser Jesus wird zum Erlöser und Retter aller Menschen, der Kranken und Gesunden, der Schwachen und Starken, der Armen und Reichen, der Resignierten und Erfolgreichen - dieser Jesus ist dein und mein Heiland!
… und deshalb kann es wohl keinen schöneren Monatsspruch geben!
Andreas Friedrich
|