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Monatsspruch August 2010

Jesus Christus spricht: „Ihr urteilt, wie Menschen urteilen, ich urteile über keinen.“ (Johannes 8,15)

Gedanken zum Monatsspruch

Ja, genau! Gleich beim ersten Teil des Satzes kann sich Jesus meiner Zustimmung ganz sicher sein. Wie oft liegen mir diese Worte selbst auf der Zunge? Ständig muss ich erleben, wie subjektiv, beeinflussbar und beschränkt unsere menschlichen Maßstäbe sind, mit denen wir über uns und unsere Umwelt urteilen. Selbst unser staatliches Rechtssystem ist davor nicht gefeit, obwohl wir es zweifelsohne als eines der besten seiner Art schätzen sollten.

Regelmäßig werde ich mit Oberflächlichkeit, Schubladendenken, Vorverurteilungen und Engstirnigkeit konfrontiert. Und das, wenn ich ehrlich bin, bei mir nicht weniger als bei anderen. Wir sind eben alle typische Menschen. Als Christ kann ich mich deshalb glücklich schätzen, mit Gottes Wort ein wirklich vollkommenes Wertesystem als Grundlage meines Rechtsbewusstseins zu besitzen, welches keinem eingeschränkten menschlichen Geist entsprungen ist. Die Überzeugung, damit einen Ausweg aus dem Dilemma meiner Urteilsschwäche gefunden zu haben, wird mir im zweiten Teil unseres Monatsspruches aber sofort wieder genommen. Denn warum urteilt Jesus über niemanden, wo er die Schrift doch vollkommen verinnerlicht hat? Und verlangt er das nun auch von mir?

Im Alltag komme ich nicht darum herum, mein Urteilsvermögen zu gebrauchen, so menschlich und fehlerbehaftet es auch sein mag. Auch die Gebote, Regeln und Weisheiten der Bibel geben mir dabei Halt. Aber was eigentlich ist Gottes Wille? Was erwartet er denn von uns? Warum gab er uns die Zehn Gebote als Quintessenz aller biblischen Lebensregeln? „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ So wird uns der Wille Gottes zusammen gefasst und nahe gebracht, was sein zentrales Anliegen ist. Liebe zu ihm und zu meinen Mitmenschen wie auch zu mir. Nicht mehr und nicht weniger wünscht sich und erwartet Gott. Doch wenn es darauf ankommt, habe ich oft plötzlich vergessen, was Liebe ist und wie man sie tut. Und weil es schon meinen Vorgängern in biblischer Zeit nicht besser ging, schrieb Gott uns damals eine Schritt-Für-Schritt-Anleitung in Form der Zehn Gebote auf.

Bei deren Lektüre ist mir etwas aufgefallen: Jedes einzelne Gebot wird mit den beiden Worten „Du sollst“ eingeleitet. Mich ganz persönlich spricht Gott also an. Nur ich und mein Leben sind hier gemeint. Ich überschreite meine Kompetenz und Zuständigkeit als Mensch, wenn ich die Umsetzung der Gebote durch die Menschen in meinem Lebensumfeld überwache. Meine einzige Möglichkeit, hier positiv Einfluss zu nehmen ist, mein eigenes Leben und Verhalten an Gottes
Willen, also allein an seiner Liebe auszurichten. Dazu bin ich berufen, auch wenn ich aus eigener Kraft täglich versage.

Natürlich verlangt die Verantwortung für meine Mitmenschen, die aus dieser Liebe erwächst, nicht zu schweigen, wo ich gefragt bin. Es wäre falsch verstandene Liebe, wegen des lieben Friedens willen, mit der Wahrheit hinterm Berg zu halten. Auch werde ich zwangsläufig mit einem Leben in Liebe hier und da hart anecken und mich an vielen Zuständen in unserer Welt reiben. Doch geschieht es mir trotz besten Absichten immer und immer wieder, dass es nicht wirklich die Liebe ist, die mich dabei leitet. Wie oft glaube ich, dem Willen Gottes zu gehorchen und werde doch nur getrieben von meiner Sturheit und Selbstüberschätzung? Meist erst, wenn es wieder einmal zu spät ist, spüre ich dann den Balken der Lieblosigkeit im Auge. Die Folge meiner menschlichen Urteile! Ich bin froh und dankbar, dass Jesus nicht urteilt, sondern mir immer wieder vergibt und vor seinem Vater im Himmel für mich eintritt.

Markus Seidel


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