Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen. 1. Korinther 10,23-24
Gedanken zum Monatsspruch
Als Kind spielte ich gern das Spiel „Bloß-nicht-auf-die-Striche-treten“. Besonders bei Ausflügen oder Erledigungen in Städten bot sich die Gelegenheit dazu. Ziel war es, auf Pflastersteinen und Gehwegplatten zu bleiben und deren Kanten auf gar keinen Fall zu berühren. Ich hatte es mir selbst erdacht, merkte aber später, dass andere es auch kannten. Auch Erwachsene spiel(t)en es bisweilen ganz gern – wenn auch als Variation des Spiels. „Nur nicht mit dem falschen Fuß aufstehen.“ „Nur nicht zu laut vom Regen reden, dann kommt er bald.“ „Nur nicht zum Tanz auf der Kirmes.“ Und am „Freitag, den 13. besser nicht …“.
Immer wieder gab es in der Geschichte Beispiele dafür, dass Menschen ihr Leben - und meist auch das der anderen - in einen engen Rahmen pressten. Klein der Raum, auf dem man sich bewegen durfte und konnte. Ihren Anfang nehmen Grenzziehungen immer im Kopf, ähnlich meinem Spielchen. So folgen Menschen unterschiedlichen Maximen. Für den Einen ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist. Für den Anderen ist alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist.
Paulus, der Verfasser der Sätze des Monatsspruches, wird in Korinth so manchen mit seiner Formulierung überrascht haben. - Und vielleicht auch manchen heute. Da gibt es etwas, das ist erlaubt. Und das in einer Religion, im christlichen Glauben! Meist denken Menschen, die dem christlichen Glauben skeptisch gegenüber stehen, es ginge im Glauben vor allem um Verbote „Du darfst nicht …!“ oder um Gebote „Du sollst …!“ Und manchmal denken und leben Glaubende genau so: „Du darfst nicht …!“ und „Du sollst …!“. Dabei hat „Christus uns frei gemacht“ - wie Paulus an einer anderen Stelle schreibt - „zur Freiheit berufen“.
Natürlich braucht es Gebote und Verbote, die das Zusammenleben von Menschen regeln. Damals wie heute. Etwa wenn es um menschliche Grundrechte geht, oder wenn zum Beispiel im Strafrecht elementare Fragen verhandelt werden müssen. Paulus würde dem nicht widersprechen.
Aber im 10. Kapitel des Korintherbriefes geht es um Gebote zweiter Ordnung. Um Speisevorschriften etwa. Die haben keine Bedeutung mehr. Da ist alles erlaubt. Doch - und das ist nun Paulus‘ Einsicht - es ist nicht immer hilfreich, auf die eigene Freiheit zu bestehen. Besonders dann nicht, wenn damit andere in Gewissenskonflikte gebracht werden. Dinge, die ich selbst guten Gewissens verantworten kann, können anderen zum Stein des Anstoßes werden. Dann ist es an der Zeit, auf mögliche Freiheit zu verzichten. Freiheit hat zuerst den anderen im Blick und nicht sich selbst.
Sebastian Mann
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